Engpassberufe 2026: Welche 157 Berufe Ihr HR jetzt strategisch einplanen muss
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July 9, 2026 - 10:00 AM

Die Fachkräftelücke sinkt insgesamt, doch in 157 Engpassberufen bleiben Stellen strukturell unbesetzbar – für HR-Leitungen wird das zweite Halbjahr 2026 zur strategischen Weichenstellung.
Zwei Signale, ein Auftrag für HR
Der Arbeitsmarkt sendet 2026 zwei Signale gleichzeitig – und beide sind unbequem. Auf der einen Seite bricht die Einstellungsbereitschaft ein, die Fachkräftelücke sinkt insgesamt um rund ein Viertel. Auf der anderen Seite meldet die Bundesagentur für Arbeit weiterhin 157 Engpassberufe, in denen Stellen faktisch nicht mehr aus dem Inlandsmarkt heraus zu besetzen sind.
Für HR-Verantwortliche im gewerblich-technischen Bereich heißt das: Die Entspannung ist selektiv, der Druck bleibt strukturell und die Personalplanung fürs zweite Halbjahr entscheidet, ob das Unternehmen 2027 handlungsfähig bleibt.
Hinter die Zahl geblickt: 157 ist nicht 157
Die Bundesagentur für Arbeit hat in ihrer Fachkräfteengpassanalyse 2025 insgesamt 157 Berufe als Engpassberuf identifiziert. Ein Beruf gilt dann als Engpass, wenn die durchschnittliche Vakanzzeit deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Mittel liegt und rechnerisch weniger als 2,5 Arbeitslose auf eine offene Stelle kommen. Bundesweit lag die Fachkräftelücke 2025 im Jahresdurchschnitt bei 369.516 rechnerisch nicht besetzbaren Stellen, ein Minus von 24,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 61 Prozent dieser Lücke entfallen auf Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung – nicht auf Akademiker:innen.
Diese Verteilung ist der eigentliche Befund: Der Engpass sitzt in der Mitte des Qualifikationsspektrums. Stellen für Fachkräfte mit Berufsausbildung blieben 2025 im Schnitt 183 Tage offen, für Spezialist:innen 157 Tage, für Expert:innen mit akademischem Hintergrund dagegen nur 109 Tage. Wer glaubt, mit einer verbesserten Hochschul-Ansprache das Problem zu lösen, adressiert die falsche Zielgruppe.
Wo der Druck 2026 tatsächlich am höchsten ist
Die aktuellen Auswertungen der Bundesagentur für Arbeit und des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) zeigen ein klares Cluster in den gewerblich-technischen und pflegerischen Berufen.
Engpass-Cluster 2025
Top 5 Engpassberufe nach fehlenden Fachkräften
Fehlende Fachkräfte 2025 und durchschnittliche Vakanzzeit in Tagen
Fehlende Fachkräfte (Jahresdurchschnitt 2025)
Werte: rechnerisch fehlende Fachkräfte im Jahresdurchschnitt 2025
Durchschnittliche Vakanzzeit (in Tagen)
Zum Vergleich: Gesamtwirtschaftlicher Durchschnitt bei Fachkräften mit Berufsausbildung 183 Tage
Takeaway: Elektro und Pflege dominieren gleichzeitig Menge und Dauer. In Kernberufen liegt die Suchdauer bei rund 8 bis 10 Monaten – Personalplanung mit 90 Tagen Vorlauf greift dort nicht.
Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse 2025; KOFA / IW Köln, Fachkräftelücke 2025
Über die Top 5 hinaus zeigen sich weitere strukturelle Engpässe: In den Elektroberufen bleiben mehr als acht von zehn offenen Stellen rechnerisch unbesetzbar. In Sanitär, Heizung, Klimatechnik liegt die Vakanzzeit bei über 240 Tagen, bei Berufskraftfahrer:innen im Güterverkehr belasten strukturelle Engpässe die Logistikketten, und in Industriemechanik, Feinwerkmechanik sowie Schweiß- und Verbindungstechnik ist die Fachkräftelücke 2025 sogar weiter gewachsen.
Besonders bemerkenswert: In wenigen Berufen wächst die Lücke gegen den Gesamttrend weiter. Bei Erdbewegungsmaschinen-Führung stieg sie 2025 um 38 Prozent, im Straßen- und Asphaltbau sowie in der Schweißtechnik ebenfalls. Es sind gerade jene Berufe, die für den Ausbau der öffentlichen Infrastruktur und die ökologische Transformation entscheidend sind – Bereiche, deren Umsetzung Bund und Länder aktuell beschleunigen wollen.
Warum sich der Markt entspannt und der Engpass trotzdem bleibt
Die Fachkräftelücke ist 2025 messbar gesunken, gleichzeitig ist der IAB-Stellenindex seit Mitte 2025 auf hohem Niveau stagnierend und die Einstellungsabsichten für Q3 2026 sind auf den niedrigsten Wert seit fünf Jahren gefallen. Dieser scheinbare Widerspruch löst sich auf, wenn man zwei Ebenen trennt: Konjunkturell bremsen viele Unternehmen ihre Personalpläne, strukturell verschwindet der Engpass in bestimmten Berufen dadurch nicht. Wer heute Elektroniker:innen, Anlagenmechaniker:innen SHK (Sanitär, Heizung, Klima) oder Pflegefachkräfte sucht, konkurriert nach wie vor mit allen anderen Arbeitgeber:innen.
Für HR heißt das: Der Markt lässt weniger Fehler zu. In einem stagnierenden Umfeld wird jede unbesetzte Schlüsselstelle sichtbarer. Gleichzeitig sinkt der Druck, jeden Bewerbenden sofort zu binden – Auswahlqualität wird wieder möglich.
„Die Debatte um den Fachkräftemangel wird zu abstrakt geführt. Wer 2026 seine Personalplanung macht, muss unterscheiden: Wo entlasten mich sinkende Zahlen und wo bleibt der Engpass strukturell bestehen? In Elektro, Pflege, Bau und Logistik sehen wir keine Entspannung – sondern eine Marktphase, in der langsames Handeln teuer wird."
Henrik Straatmann
Geschäftsführer
Adecco Personaldienstleistungen GmbH
Was HR-Leitungen im zweiten Halbjahr strategisch einplanen sollten
Die aktuelle Marktphase ist ein Zeitfenster, keine Verschnaufpause. Fünf Handlungsfelder entscheiden, wie tragfähig die Personalplanung 2026 aufgestellt wird.
• Erstens – Engpassberufe im eigenen Bedarfsprofil markieren: Nicht jeder Beruf auf der BA-Liste ist für jedes Unternehmen relevant. HR sollte die eigenen offenen und geplanten Positionen der nächsten zwölf Monate gegen die BA-Analyse spiegeln und die Positionen identifizieren, die zwingend über zusätzliche Kanäle abgedeckt werden müssen.
• Zweitens – Vakanzzeiten realistisch in die Planung einrechnen: Wer eine Elektroniker:in oder eine Anlagenmechaniker:in SHK sucht, plant nicht mit 90 Tagen, sondern mit 200 und mehr. Diese Zeit muss durch überlappende Suche, Zeitarbeit oder Werkverträge überbrückt werden, sonst entstehen operative Lücken, die den Betrieb belasten.
• Drittens – Nicht nur den externen Markt, sondern die eigenen Wege aufmachen: Teilqualifikationen, Umschulungen aus verwandten Berufsfeldern und die Nachqualifizierung von Helfer:innen werden 2026 durch die Qualifizierungsoffensive Berufliche Bildung des Bundes politisch gestützt. Wer diese Instrumente in die eigene Personalplanung integriert, gewinnt eine zweite Quelle neben dem klassischen Recruiting.
• Viertens – Personalpartner:innen strategisch statt taktisch einsetzen: Zeitarbeit und Personalvermittlung sind in Engpassberufen kein Preisdrücker-Instrument mehr, sondern Zugang zu Kandidat:innen, die über klassische Kanäle nicht erreichbar sind. Der Wechsel vom Spot-Einkauf zu einer strukturellen Partnerschaft – mit belastbaren Volumen-Zusagen und gemeinsamer Kanalstrategie – verkürzt die Suchdauer signifikant.
• Fünftens – Regional differenzieren: Die Engpassanalyse zeigt große Unterschiede zwischen den Bundesländern. Ein SHK-Bedarf in Bayern hat eine andere Marktdynamik als in Mecklenburg-Vorpommern. Wer standortscharfe Personalplanung macht, sollte die regionalen Auswertungen der BA in die Kanal- und Standortstrategie einfließen lassen.
Der Blick über Juli 2026 hinaus
Die mittelfristige Prognose des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) rechnet bis 2029 mit einer zusätzlichen Lücke von rund 530.000 Fachkräften – vor allem in IT-Berufen, Gesundheits- und Pflegeberufen, technischen Berufen und Lehrberufen. Die Zahl der sogenannten Fokusberufe mit Engpässen hat sich in kurzer Zeit von 20 auf 41 mehr als verdoppelt. Zusätzlich steigt die Nachfrage in Bau- und Verarbeitendem Gewerbe durch Infrastruktur- und Verteidigungsinvestitionen.
Die aktuelle Marktphase mit konjunkturell gedämpfter Nachfrage ist deshalb keine Verschnaufpause, sondern ein Zeitfenster. HR-Abteilungen können jetzt Prozesse, Pipelines und externe Partnerschaften aufbauen, bevor der demografische Druck ab 2028 die Handlungsspielräume wieder verengt.
Wie Adecco Personaldienstleistungen unterstützt
Adecco begleitet HR-Verantwortliche in Engpassberufen mit einem integrierten Portfolio:
• Zeitarbeit / Arbeitnehmerüberlassung: Kurzfristige und mittelfristige Deckung des operativen Bedarfs in gewerblich-technischen Engpassberufen – von Elektronik über Metall bis Logistik.
• Personalvermittlung: Direkte Vermittlung von Fach- und Führungskräften in Festanstellung, mit Zugang zu passiv suchenden Kandidat:innen über die eigenen Netzwerke.
• Recruitment Process Outsourcing (RPO): Übernahme von Teilprozessen oder des gesamten Recruitings – sinnvoll für Unternehmen mit hohem Personalbedarf in wenigen Engpassberufen oder einer standortübergreifenden Organisation.
Wer die Gehaltsniveaus in den relevanten Engpassberufen als Grundlage für die eigene Personalplanung braucht, findet die aktuellen Bandbreiten im Adecco Gehaltsreport Deutschland 2026. Jetzt Gehaltsreport herunterladen.
Quellen
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