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KI verändert Aufgaben schneller

KI verändert Aufgaben schneller als Berufe und was das für die Schweiz bedeutet

15 Minuten

July 30, 2026 - 9:59 AM


Person mit Tablet vor digitalen Daten- und Codeprojektionen, Symbolbild für künstliche Intelligenz und die Zukunft der Arbeit.

 

Die Diskussion über künstliche Intelligenz wird vor allem von einer Frage dominiert: Welche Jobs verschwinden? 


Schlagzeilen über arbeitslose Berufseinsteiger:innen oder Akademiker:innen, sowie Automatisierung, KI-Agenten und Stellenabbau prägen die öffentliche Debatte. Da liegt die Vermutung nahe, dass künstliche Intelligenz vor allem Arbeitsplätze ersetzen wird. 

Die neue Adecco-Group-Studie On the Threshold: AI, the Future of Work and the Rise of Hybrid Labor Markets kommt zu einem anderen Schluss. Die bisherigen Daten deuten darauf hin, dass KI derzeit vor allem Aufgaben innerhalb von Berufen verändert und nicht ganze Berufe ersetzt. Beschäftigung und Löhne bleiben innerhalb der OECD-Mitgliedstaaten bislang bemerkenswert stabil. 

Die Adecco-Group-Studie ordnet die aktuelle KI-Debatte ein 

Die Studie analysiert die bisherigen Auswirkungen von KI auf Arbeitsmärkte und zieht dabei Parallelen zu früheren technologischen Umbrüchen wie Elektrifizierung oder Digitalisierung. 

Viele Tätigkeiten innerhalb eines Berufs lassen sich durch KI schneller erledigen oder teilweise automatisieren. Dazu gehören etwa Recherchen, administrative Arbeiten, Dokumentation oder Datenanalysen. Gleichzeitig bleiben andere Aufgaben weiterhin auf menschliche Fähigkeiten angewiesen: Urteilsvermögen, Kommunikation, Kreativität, Verantwortungsübernahme oder der Umgang mit komplexen Situationen.  

Entsprechend zeigt sich bislang auch kein flächendeckender Einbruch der Beschäftigung. Die Beschäftigungsquote in den OECD-Ländern bewegt sich weiterhin nahe historischer Höchststände. Gleichzeitig entstehen neue Tätigkeitsfelder und Rollen rund um den Einsatz von KI.  

Die Schweizer Realität sieht ähnlich aus 

Im Schweizer Stellenmarkt zeigt aktuell ein ähnliches Bild: Zwar bleibt die Einstellungsbereitschaft vieler Unternehmen aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten zurückhaltend. Gemäss dem Adecco Group Swiss Job Market Index blieb das Stellenangebot im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr jedoch praktisch stabil. Gleichzeitig entwickeln sich einzelne Berufsgruppen sehr unterschiedlich.  

Besonders gefragt bleiben Gesundheitsberufe, Fachkräfte im Handwerk und in der Industrie sowie Bürofachkräfte und Informatikberufe. Rückgänge zeigen sich dagegen vor allem in naturwissenschaftlichen, kaufmännischen und wirtschaftswissenschaftlichen Berufen.  

Die Job Index Daten stützen das Ergebnis des Whitepapers: Unternehmen suchen weiterhin Talente, gleichzeitig verändern sich die Anforderungen je nach Branche und Beruf. 
 
Dazu Martin Meyer, VP Operations Adecco Schweiz «Viele Unternehmen befinden sich noch am Anfang ihrer KI-Transformation. Entsprechend entwickeln sich auch die Kompetenzprofile weiter. In zahlreichen Fällen ist heute noch nicht abschliessend definiert, welche Fähigkeiten künftig zusätzlich benötigt werden. Klar ist aber bereits jetzt: Gefragt sind Mitarbeitende, die technologische Entwicklungen verstehen, neue Werkzeuge produktiv nutzen und sich kontinuierlich weiterentwickeln wollen.» 

Fachkräftemangel bleibt trotz KI bestehen 

Auf den ersten Blick scheint das widersprüchlich. Wenn KI immer leistungsfähiger wird, weshalb bleibt der Fachkräftemangel bestehen? 

Genau dieser Frage widmet sich ein zentrales Kapitel des Whitepapers. Die Autorenschaft argumentiert, dass viele Industrieländer in den kommenden Jahren stärker unter einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften als unter einem Mangel an Arbeit leiden werden. Alternde Gesellschaften und sinkende Erwerbsbevölkerungen erhöhen den Druck auf Unternehmen, produktiver zu werden und vorhandene Ressourcen effizienter einzusetzen. 

In diesem Kontext dient KI häufig nicht dazu, Menschen vollständig zu ersetzen. Vielmehr hilft sie dabei, Engpässe zu entschärfen, repetitive Aufgaben zu reduzieren und Mitarbeitende zu entlasten.  

Besonders sichtbar zeigt sich dies in Gesundheitsberufen sowie in technischen und industriellen Fachrollen. Die aktuellen Swiss Job-Index-Daten zeigen, dass die Nachfrage in mehreren dieser Bereiche trotz konjunktureller Unsicherheit bestehen bleibt.  

Vom Kampf um Jobs zum Kampf um Kompetenzen 

Eine weitere Erkenntnis der Studie dürfte gerade für Schweizer Unternehmen relevant sein: Der grösste Engpass liegt heute oft nicht bei der Technologie selbst. 

Leistungsfähige KI-Anwendungen sind mittlerweile breit verfügbar. Die Herausforderung ist deshalb weniger der Zugang zur Technologie als deren erfolgreiche Integration in Prozesse und Arbeitsabläufe. Dadurch verschiebt sich auch die Diskussion auf dem Arbeitsmarkt. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Fähigkeiten künftig benötigt werden. 

Gemäss unserer Studie bleiben analytisches Denken, Problemlösungskompetenz, Kommunikationsfähigkeit, Lernbereitschaft und die Fähigkeit, neue Technologien produktiv einzusetzen, weiterhin gefragt. Digitale Kompetenzen gewinnen an Bedeutung, menschliche Stärken verlieren jedoch keineswegs an Relevanz.  

Für Unternehmen wird zentral, wie sie ihre Mitarbeitenden auf neue Anforderungen vorbereiten und vorhandene Kompetenzen weiterentwickeln können.  Dort dürfte sich entscheiden, wer die Produktivitätschancen der KI in den kommenden Jahren tatsächlich nutzen kann. 

Hier geht es zur neuen KI-Studie der Adecco Group Rise of hybrid labor markets

Hier geht es zum aktuellen Adecco Group Swiss Job Market Index Job Index Q2 2026