Schweizer Arbeitsmarkt Q2 2026: Unterschiede werden grösser
Der Stellenmarkt schwächelt, selektives Recruiting wird zur neuen Realität
15 Minuten
July 7, 2026 - 12:13 PM
Schweizer Arbeitsmarkt Q2 2026: Selektives Recruiting wird zur neuen Realität
Der Schweizer Stellenmarkt bleibt auch im zweiten Quartal 2026 unter Druck. Die Zahl der ausgeschriebenen Stellen sinkt gegenüber dem Vorquartal um 2.4 Prozent, während das Niveau im Jahresvergleich praktisch stagniert (-0.2%).
Doch hinter dieser insgesamt stabilen Entwicklung zeigt sich eine zentrale Verschiebung: Der Arbeitsmarkt entwickelt sich zunehmend uneinheitlich – je nach Berufsgruppe sehr unterschiedlich. Genau das stellt Unternehmen vor neue strategische Herausforderungen.
Ein schwacher Markt – aber kein einheitliches Bild
Während Unternehmen insgesamt zurückhaltender rekrutieren, offenbart der Blick auf die Berufsgruppen eine klare Differenzierung.
Der Arbeitsmarkt ist damit weniger von einem generellen Rückgang geprägt als von zunehmend unterschiedlichen Entwicklungen in den einzelnen Berufsgruppen.
Drei Aspekte prägen die Entwicklung der Berufsgruppen:
- Demografie verstärkt strukturellen Fachkräftebedarf
Vor allem im Gesundheitswesen steigt die Nachfrage weiter. Die Alterung der Bevölkerung sorgt für einen langfristig steigenden Bedarf an Fachkräften, unabhängig von konjunkturellen Schwankungen. - Binnenwirtschaft stabilisiert technische Berufe
Handwerk, Bau und Industrie zeigen eine robuste Nachfrage, insbesondere durch Infrastruktur, Gebäudetechnik und Baukonjunktur.
Martin Meyer, VP Adecco Operations Switzerland, ordnet ein:
„Die Nachfrage nach technischen Fachkräften bleibt robust. Da die Branchen Bau, Gebäudetechnik und Infrastruktur wachsen, bleibt der Fachkräftemangel eine zentrale Herausforderung.“
- KI wirkt differenziert, je nach Tätigkeitsprofil
Auch der Einfluss von KI zeigt sich unterschiedlich: Während Büroberufe, vor allem in der Untergruppe der allgemeinen Büro- und Sekretariatskräfte, die vorwiegend administrative Unterstützungs- & Sachbearbeitungstätigkeiten ausüben zuletzt wieder mehr Nachfrage verzeichnen, gehen Stellenausschreibungen in klassischen kaufmännischen und wirtschaftswissenschaftlichen Berufen zurück.
Lora Odoni, Area Manager Adecco Schweiz:
„Die Auswirkungen von KI hängen weniger von der Berufsbezeichnung ab als von den konkreten Tätigkeitsprofilen.“
Bedeutung und Empfehlungen für Unternehmen
Für HR und Talent Acquisition bedeutet das: Klassische Recruiting-Logiken greifen zunehmend zu kurz. In einem schwachen Markt automatisch mit weniger Einstellungen zu reagieren, kann zum Fehler werden. Entscheidend ist vielmehr, genau zu verstehen, wo weiterhin Nachfrage entsteht – und wo sie deutlich nachlässt. Unternehmen sollten ihre Recruiting-Budgets gezielt auf wachstumsstarke Rollen ausrichten und gleichzeitig prüfen, in welchen Bereichen interne Umschulungen sinnvoll sind.
Gleichzeitig reicht es zunehmend nicht mehr aus, in klassischen Berufsprofilen zu denken. Da sich Anforderungen innerhalb bestehender Berufe spürbar verändern, gewinnt eine kompetenzbasierte Planung an Bedeutung. Statt sich primär an Jobtiteln zu orientieren, sollten Unternehmen verstärkt auf Skills-Analysen setzen und den Fokus auf übertragbare Kompetenzen legen.
Trotz der insgesamt verhaltenen Marktentwicklung bleibt der Wettbewerb um Fachkräfte in bestimmten Bereichen bestehen. Insbesondere in Gesundheitsberufen sowie in technischen Funktionen bleibt die Nachfrage hoch, sodass Unternehmen ihre Time-to-hire weiter optimieren und ihre Arbeitgeberattraktivität gezielt für diese Profile stärken sollten.
Komplexität statt Trend
Der Job Index Q2 2026 zeigt keinen einheitlichen Trend, sondern eine fragmentierte Entwicklung des Arbeitsmarktes. Der Wettbewerb um Talente verschiebt sich – aber er verschwindet nicht. Erfolgreiches Recruiting wird zunehmend eine Frage der richtigen Priorisierung.
Die vollständigen Ergebnisse finden Sie in der aktuellen Studie des Swiss Job Market Index:
Sie möchten Ihre Recruiting-Strategie datenbasiert ausrichten?
