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Fachkräftemangel 2025 zeigt Entspannung

15 Minuten

November 27, 2025 - 8:00 AM


Illustration von drei verschiedenen Arbeitsbereichen, die den Fachkräftemangel 2025 darstellen.

Der Schweizer Arbeitsmarkt verliert langsam an Dynamik. Nachdem der Fachkräftemangel in den Jahren 2022 und 2023 stark angestiegen war, zeigt der aktuelle Fachkräftemangel Index 2025 zum zweiten Mal in Folge eine deutliche Entspannung. Der Index liegt rund 22 Prozent unter dem Vorjahreswert und nähert sich wieder dem Niveau vor der Corona-Pandemie. Für HR-Verantwortliche ist das eine gute Nachricht – aber keine Entwarnung. 

Denn die Entspannung ist nicht flächendeckend. Sie betrifft vor allem Berufsfelder, in denen die Nachfrage zurückgeht, etwa durch technologische Veränderungen oder konjunkturelle Einflüsse. In anderen Bereichen bleibt der Druck bestehen und verlangt von HR neue Antworten. 

Vielfältige Gründe für die Abnahme des Mangels 

Laut der gemeinsamen Analyse der Adecco Gruppe Schweiz und des Stellenmarkt-Monitors der Universität Zürich ist der Rückgang des Fachkräftemangels vor allem auf ein verändertes Verhältnis zwischen offenen Stellen und Stellensuchenden zurückzuführen. Es gibt weniger ausgeschriebene Stellen, gleichzeitig sind mehr Menschen auf Jobsuche. Das deutet nach zwei Jahren, in denen der Mangel vielerorts übermässig stark war, auf eine Normalisierung des Arbeitsmarktes hin. 

Die Gründe dafür sind vielfältig: 

  • Wirtschaftliche Unsicherheit: Unternehmen investieren zurückhaltender, viele Projekte werden verschoben oder gestoppt. 
  • Moderater Beschäftigungsaufbau: Neue Stellen entstehen langsamer als in den Vorjahren. 
  • Demografische Effekte: Die Alterung der Bevölkerung verändert Angebot und Nachfrage. 
  • Technologischer Wandel: KI und Automatisierung reduzieren den Bedarf in bestimmten Berufsfeldern, insbesondere im Büro- und Verwaltungsbereich. 

Was bedeutet das für HR? Drei Empfehlungen 

1. Differenzieren statt pauschalisieren 

Der Rückgang des Index ist kein flächendeckender Trend. Während Büro- und Verwaltungsberufe deutlich weniger gefragt sind – auch weil sie stark durch KI beeinflusst werden – bleiben andere Berufsfelder unter Druck. Dazu zählen: 

  • Gesundheitsberufe: Trotz leichter Entspannung weiterhin auf Platz 1 im Ranking. 
  • Bau und Technik: Bauführer:innen, Produktionsleiter:innen und Elektriker:innen bleiben gefragt. 

Für HR bedeutet das: Berufsspezifische Strategien sind wichtiger denn je. Recruiting, Weiterbildung und Bindung müssen sich an den realen Engpässen orientieren, nicht am Gesamttrend. 

2. Technologischen Wandel aktiv gestalten 

Der Index zeigt klar: Büro- und Verwaltungsberufe verlieren an Nachfrage. Das liegt nicht nur an der Konjunktur, sondern auch an der zunehmenden Automatisierung. Für HR ist das eine doppelte Herausforderung: 

  • Bestehende Mitarbeitende müssen weiterentwickelt werden, etwa durch Upskilling in digitalen Tools, Kundenkommunikation oder Prozesssteuerung. 
  • Neue Rollen entstehen, vor allem an der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine, Datenpflege oder KI-gestützter Sachbearbeitung. 

Unternehmen sollte hier nicht abwarten, sondern aktiv Rollenprofile und nötige Voraussetzungen überarbeiten, Lernangebote schaffen und Veränderungen transparent kommunizieren. 

3. Weiterbildung gezielt einsetzen

Die Studie empfiehlt klar: Weiterbildung ist der Schlüssel, um strukturellen Fachkräftemangel zu begegnen. Das gilt besonders für mittlere Qualifikationsniveaus, die durch Technologie unter Druck geraten. Personalmanagement kann hier: 

  • Microlearning-Formate etablieren, die schnell und praxisnah sind. 
  • Interne Lernpfade aufbauen, die Mitarbeitende gezielt weiterentwickeln. 
  • Externe Partner einbinden, um branchenspezifische Kompetenzen zu vermitteln. 

Wichtig ist: Weiterbildung darf nicht als „nice to have“ betrachtet werden, sondern muss strategisch verankert sein mit klaren Zielen, messbaren Ergebnissen und sichtbarem Nutzen für Mitarbeitende und Organisation. 

Fazit 

Der Fachkräftemangel Index 2025 zeigt eine Entspannung, aber keine Entwarnung. Für HR bedeutet das: Die Spielräume werden grösser, aber die Herausforderungen bleiben. Wer jetzt differenziert analysiert, technologische Veränderungen aktiv gestaltet und Weiterbildung gezielt einsetzt, kann die aktuelle Phase nutzen, um langfristige Stabilität und Attraktivität aufzubauen. 

Praktische Tipps für HR Professionals 

  • Index gezielt nutzen: Nicht nur den Gesamtwert betrachten, sondern die Entwicklung einzelner Berufsfelder analysieren. 
  • Rollen neu denken: KI verändert Aufgaben – HR sollte neue Kompetenzprofile entwickeln. 
  • Weiterbildung priorisieren: Kleine Formate, klare Ziele, messbare Wirkung, d.h. Weiterbildung als strategisches Instrument sehen. 

Sie möchten weitere Insights zur Studie? Hier geht es zum vollständigen Bericht.  

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